Rasende Rekordjagd auf weißem Salz
Das Projekt „First Asphalt, Now Salt“ von sechs Acherner Motorsport-Fans geht jetzt in die heiße Phase

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Artikel von Dominic Körner Achern.

Bonneville, im äußersten Westen des US-Bundesstaates Utah: Die Sonne brennt vom wolkenfreien Himmel, die heiße Luft flirrt über der Salzkruste des längst ausgetrockneten Sees. Das grelle Aufheulen der Motoren zerreißt die Stille förmlich. Was an die Szenerie eines Hollywood-Actionstreifens erinnert, wird für sechs Acherner Motorsportanhänger im Sommer Realität. Im August wollen die leidenschaftlichen Tüftler mit ihrer selbst gebastelten Ducati auf jenem Salzsee, wo manche Motorsport-Legende geboren wurde (siehe Infokasten), einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen (wir berichteten). 230 Meilen pro Stunde soll die „Diva“, wie das Sextett seine Maschine liebevoll nennt, beim Wettbewerb „BUB Speed Trials“ auf das Salz bringen. Rund 380 Stundenkilometer also, und damit schneller als ein Formel-1-Bolide. Die Vorbereitungszeit auf das Rennen, insgesamt zwei Jahre, geht jetzt in die heiße Phase. „Natürlich sind wir angespannt“, gibt Günter Retsch unumwunden zu. Er ist Konstrukteur und Fahrer im Team, dem außerdem Daniel Griessmayer, Jürgen Schmidt, Heiko Kaupp, Frank Beppler und Sven Wulf angehören. Gemeinsam nennen sie sich und ihr Projekt „Now Salt“. Jetzt Salz, denn früher fuhren sie auf Asphalt. Als der Aufwand für die Rennen immer größer wurde, stieg das Team seinerzeit aus, blieb dem Motorradsport aber weiter verbunden. Das Rennfieber packte die Biker an Retschs Junggesellenabschied im Juni 2010 wieder – auf einem Drag Racing- Gelände im englischen Bedfordshire. Der Film „Mit Herz und Hand“, in dem Anthony Hopkins einen alternden Motor- rad-Rennfahrer auf Rekordjagd spielt, tat sein Übriges. „Wir wollen es nochmal wissen“, sagt Beppler, der die Homepage der Gruppe (www.nowsalt.de) betreut. Sie soll der Sponsorensuche dienen, denn das Projekt „Now Salt“ ist ein kostspieliges. „Rund 30 000 Euro“, schätzt Retsch, kämen für die Konstruktion ihrer Diva, Transport, Unterbringung und, und und ... zusammen. Wer mit ihm, dem Mann mit den Dreadlocks und auffälligen Tätowierungen, über das Rennprojekt spricht, merkt sofort: Retsch und Co ist es jeden Cent wert. „Sollten wir nicht ausreichend Sponsorengelder zusammen bekommen, greifen wir in die eigene Tasche“, sagt er und macht klar: „Es gibt kein Zurück mehr.“ Beppler lauscht den Worten seines Mitstreiters, um dann zustimmend zu nicken. „Wir sind optimistisch, dass wir unseren Plan in die Tat umsetzen werden“, gibt er sich selbstbewusst. Auch die jüngste Verzögerung bei der Konstruktion der „Diva“ ruft keine Sorgenfalten auf seiner Stirn hervor. Die Gabel müsse zwecks besserer Stoßdämpfung etwas steiler ausgerichtet werden, erklären die beiden. Dazu wurde kurzerhand die gesamte Maschine wieder auseinandergebaut. Nervosität, Torschlusspanik auf Seiten der Konstrukteure? Fehlanzeige. „Ein paar Rückschläge haben wir einkalkuliert“, sagt Retsch achselzuckend. „Bis zum Rennen sind wir fertig.“ Mit einem gewöhnlichen Straßenmotorrad hat die Ducati der Acherner Schrauber spätestens dann nichts mehr gemein. Besonders auffällig: Die knallrote Komplettverkleidung, die der 250 PS starken Maschine die optimale Aerodynamik verleihen. Sie fertigt ein ostdeutscher Betrieb, der sich im Flugzeugbau einen Namen gemacht hat. Bei der Jagd nach der Höchstgeschwindigkeit setzen die Acherner, die den Endwert der Diva auf „mindestens 100 000 Euro“ (Beppler) schätzen, zudem auf einen Turbolader – bei einem Motorrad eher ungewöhnlich. „Wir wissen, dass die Konkurrenz in der Regel keinen hat, glauben aber an unsere Konstruktion“, so Retsch. Der eigenem Bekunden nach mit seiner Rolle als Fahrer entspannt umgeht. Die Vorstellung, bei 380 km/h auf einem Zweirad zu sitzen, macht ihm jedenfalls keine Angst. „Viel kann eigentlich nicht passieren“, sagt er. „Im Falle eines Sturzes kommt es selten zu mehr als Abschürfungen.“ Für ihren gemeinsamen Traum, der Rekordjagd vor Tausenden Zuschauern in der Wüste Utahs, haben die Bastler seit 2010 rund 2 000 Arbeitsstunden investiert, selten weniger als 25 pro Woche. Gut, dass da die Familien mitspielen, wie Beppler betont: „Ohne ihre Unterstützung ginge es nicht.“ Nicht minder wichtig ist für das „Now Salt“-Sextett der gute Zusammenhalt im Team. „Jeder hat innerhalb der Gruppe seinen eigenen Aufgabenbereich“, erklärt Retsch. „Und wenn einer einen schlechten Tag erwischt hat, müssen die anderen ihn schon mal aufbauen.“ Auf dem Gelände der Firma Otteni & Strauß, bei der Retsch angestellt ist, wird derzeit gebastelt, was das Zeug hält. Kein halbes Jahr bleibt den Achernern noch, ehe die „Diva“ via Schiff ihre Reise in die Staaten antritt. Wenig später folgen Retsch, Beppler und ihre Mitstreiter. Mit dabei: Familie, Freunde und Sponsoren. Sie alle drücken die Daumen, damit der Rekord fällt, in der Wüste von Utah.