Samstagsausgabe Acher-Bühler-Bote vom 26.03.2011 Autor: Holger Keller

Geschwindigkeitsrausch auf der Diva

Acherner Motorsport-Anhänger wollen mit dem Projekt „Now Salt“ in Utah einen Weltrekord brechen

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Samstagsausgabe ABB 26.03.2011 Samstagsausgabe ABB 26.03.2011

Achern. Wie eine Diva sieht sie nicht aus, die Maschine auf dem Hof eines Acherner Autohauses. Genau genommen sieht sie noch nicht einmal wie ein fertiges Motorrad aus. Doch die Männer, die um das Gerät herumstehen, das einmal einen Rekord brechen soll, schwören Stein und Bein: Es ist eine Ducati, und eine Ducati ist eben wie eine Diva.

„Manchmal zickt sie, wenn man sie nicht richtig behandelt. Aber wenn sie funktioniert, ist sie geil.“ Die Worte stammen von Günter Retsch. Er ist Fahrer und Konstrukteur im Team „First Asphalt – Now Salt“. Im Bunde mit Daniel Griessmayer, Jürgen Schmidt, David Jasinski, Frank Beppler und Sven Wulf will er ein Motorrad konstruieren, das auf einem ausgetrockneten Salzsee im amerikanischen Bonneville im Bundesstaat Utah einen Weltrekord aufstellen soll. Mit über 230 Meilen pro Stunde – etwa 370 Stundenkilometer – soll die Ducati bei dem Wettbewerb „BUB Speed Trials“ über die flirrende Salzebene rauschen. Schneller war bisher keiner in der sogenannten APS/ BG-Klasse: teilverkleidet, turbogeladen und benzinverbrennend. Beileibe ist es nicht das erste wirklich schnelle Motorrad der Schrauber aus dem Raum Achern. Zwischen 1995 und 2001 war Retsch regelmäßig als Fahrer von Beschleunigungsrennen auf den schnellen Maschinen unterwegs. Das Team von heute war damals in ganz Europa unterwegs. „Da haben wir alles in Grund und Boden gefahren“, erinnert sich Retsch. Weil der Aufwand zu groß wurde, stieg das Team aus dem aktiven Rennsport aus. Ohne aber die Szene zu verlassen. Der Junggesellenabschied von Günter Retsch in Bedfordshire auf dem Drag Racing Gelände Santa Pod war Jahre später der Geburtshelfer für das neue Vorhaben. „Wir wollten eigentlich nur Rennluft schnuppern“, sagt Daniel Griessmayer lachend. Dieser eine Abend im Juni 2010 und der Film „Mit Herz und Hand“, ein emotionales 127-Minuten- Werk über einen alten Mann und seine Leidenschaft zu einem beinahe ebenso alten Motorrad, führten zum jetzigen Rekordversuch.
Noch braucht die Diva eine Stütze, der Rahmen selbst wurde nach langen Stunden am Computer erst vor wenigen Tagen fertig zusammen geschweißt. Und der Motor ist ein Testaggregat. David Jasinski hält beim Benzingeflüster im Halbkreis um die Maschine herum schon einmal den Turbolader an eine Stelle zwischen Sitz und Hinterrad. „Der macht den Rekord eigentlich erst möglich“, sagt er. Verdoppeln wird er die Leistung des Motorrads, auf etwa 250 PS. Drum herum kommt eine aerodynamische Verkleidung, um den Luftwiderstand zu senken. Die Salzkruste der meilenweiten Ödnis bietet ja bereits mehr Reibung als gewünscht. „Es hätte wirklich niemand etwas dagegen, wenn die ganze Fläche geteert wäre“, sagt Frank Beppler, der für Design und die Homepage zuständig ist, grinsend. Weit über 1 000 Arbeitsstunden haben die Männer auf dem Gelände von Otteni & Strauß schon in das Projekt gesteckt. Bisher beschränken Sie sich auf samstägliche Arbeiten an der Ducati. Doch je näher man dem August rückt, der Monat, in dessen Verlauf der richtige Motor eingebaut werden soll, desto häufiger werden sie Nachtschichten einlegen. Noch im selben Monat soll der Motor laufen. Das Motorrad soll auf der Rennstrecke in Hockenheim seine ersten Tests absolvieren. Wie genau die Maschine über den Atlantik kommt, weiß die Crew noch nicht, aber darüber will man sich derzeit noch keine Gedanken machen. Griessmeyer winkt ab: „Zuerst soll das Motorrad mal fahren.“ Derweil macht die Homepage www.nowsalt.de kräftig Fortschritte. Und auch bei der Sponsorensuche ist das Team am Aquirieren. Sie hoffen auch weiterhin auf Unterstützung, schließlich werden am Ende bis zu 20 000 Euro für das Vorhaben fällig. Man ist jedoch guter Dinge: Der Rekord wird fallen und die Diva auf dem Salzsee gebändigt.