2012/10/25

Acherner Team nimmt neuen Anlauf

Unter demMotto „More Salt“ soll es 2014 endlich mit dem Weltrekord auf dem Salzsee klappen

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Autor: Roland Spether

Achern. „Du liegst auf dem Motorrad, denkst nur noch Vollgas und lässt die Diva einfach laufen“. Die Erinnerung an das große Racing auf dem Salzsee in Bonneville/USA ist bei Günter Retsch noch sehr lebendig. Am letzten Renntag gab er mächtig Gummi auf die salzige Piste und sicherte sich nach zwei Runs mit dem anerkannten Wert von 169,0625 Meilen/Stunde (270 Stundenkilometer) den Rekord in der AMA 1000 APS/BGKlasse.

Wie berichtet, wurde der anvisierte FIM Weltrekord mit 230 Meilen pro Stunde (368 Stundenkilometer) noch nicht geschafft, dennoch war das Team nach den ernüchternden Renntagen einfach nur überglücklich. 2014 will man einen neuen Anlauf nehmen. Derzeit ist das Motorrad im Technikmuseum in Speyer zu bewundern. Mit dem Konzept „First Asphalt, Now Salt“ – „Zuerst Asphalt, jetzt Salz“ verwirklichte das Racing-Team in zwei Jahren ein faszinierendes Projekt, in denen die „Schrauber“ um Günter Retsch in der Werkstatt bei Otteni & Strauß eine Rennmaschine auf die Räder stellten, um damit im legendären Bonneville den Weltrekord zu knacken. Mit zum engeren Racing Crew in den USA gehörten Kerstin Rixen, Daniel Grießmayer, Torsten Peter, Frank Beppler, Markus Bold, Jürgen Schmidt und Sven Wulf. Nun lautet ganz klar die Ansage „MoreSalt“ – „Mehr Salz“, denn das Team ist einstimmig der Meinung, 2014 – erneut mit der „Diva“ – über den salzigen Belag zu „brettern“ und den Rekord ins Visier zu nehmen. „Wir haben das Potenzial der Maschine noch nicht ausgeschöpft“, ist sich Günter Retsch sicher. Natürlich ist man mit der „Mission Salzsee“ im Endergebnis eigentlich nicht zufrieden: „Wir wollten mehr, und wir wollten auf gar keinen Fall mit einem Ergebnis von 140 Meilen nach Hause kommen“. Deshalb waren alle überglücklich, als die „Diva“ zumindest den Klassenrekord herausfuhr und das Team eindrucksvoll bestätigte, dass es mit dem enormen Zeitdruck im Nacken die erforderlichen technischen Veränderungen vornahm. „Wir lagen vielleicht bei 250 PS, aber wir können die Leistung auf 300 steigern“, so Günter Retsch. Der Countdown für 2014 hat begonnen, ein Technik- und ein Werbeteam wurden gebildet und die Suche nach Sponsoren geht für „Ruhm und Ehre“ in die zweite Runde. Die wichtigste Aufgabe besteht darin, die„Mission Salzsee 2012“ genauestens zu analysieren und das Problem des Hochschaukelns der „Diva“ in den Griff zu bekommen. „Ich dachte nur noch an Weltuntergang“ meinte Günter Retsch rückblickend auf den ersten Lauf in Bonneville, als die „Diva“ regelrecht bockte, der Lenker sich langsam und gefährlich hoch schaukelte und eine Geschwindigkeit fernab der anvisierten Meilen herauskam. Da war guter Rat teuer und es musste schnellstens gehandelt werden, doch für ein Setup „Feinabstimmung, Fahren, Feinabstimmung“ lief die Zeit davon, zumal jeden Tag nur ein bis zwei Runs möglich waren und Regen auch noch einen Strich durch die Rechnung machte. Das Team wusste im Vorfeld, dass Salz für ein anderes Fahrverhalten sorgen wird als Asphalt, doch mit solchen Problemen im „Nachlauf der Vordergabel“ hatte niemand gerechnet. „Das war ein richtiges Lehrjahr für uns“, so Günter Retsch, der sich aber sehr zuversichtlich zeigte, dass aus den Erfahrungen auf dem Salzsee und den daraus resultierenden Modifikationen für das neue „Setup“ 2014 der angepeilte Rekord erreicht wird. Bis dahin will das Team versuchen, das Fahren und vor allem ein mögliches Aufschaukeln zu simulieren, um beim Auftauchen eines solchen Problems schnell reagieren zu können. „Ich bin ja schon dreimal mit dem Fahrrad über 1 000 Kilometer durch Thailand gefahren, aber das mit der Diva war ein super Abenteuer“, so Günter Retsch, für den der Alltag wieder begonnen hat. Retsch arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei Otteni & Strauß. „Wer so eine Rennmaschine bauen kann, ist auch in der Lage, in anderen Bereichen auf hohem Niveau zu arbeiten“, lobte Martin Strauß seinen Werkstattleiter.